Brombeershop Interview mit Andi von der Chemiefabrik

Gestern haben wir zur Spendenaktion der Chemo aufgerufen.

Heute haben wir für Euch das Interview mit Andi von der Chemiefabrik Dresden (Chemo).

Brombeershop: „Wie ist die aktuelle Lage aufgrund der Corona Krise?“

Andi: „Natürlich sehr unsicher, da wir nicht wissen, wie lange uns die Situation beschäftigen wird. Warten, hoffen, schauen, wie wir die Zeit unbeschadet überstehen können. Selbst wenn alle Maßnahmen gelockert werden, werden die Clubs bzw. Veranstaltungen die letzten sein, die wieder laufen werden. Es kommt auch hinzu, dass viele internationale Künstler bei uns auf der Bühne stehen und wann da wieder Normalität eintritt – keine Ahnung. Ich bin dennoch optimistisch, dass wir mit staatlicher Hilfe und vor allem seitens der Community die Situation gut gehandelt bekommen. Wir haben das große Glück als Club auf eine treue Fangemeinde blicken zu können auf die wir immer zählen können. Das ist eine riesen Hilfe.

Brombeershop: „Ihr seid ja auch beim Brombeershop Soli Ticket dabei. Welche Aktionen habt ihr noch gestartet.“

Andi: „Wir sind Mitglied beim Klubnetz Dresden e.V., welcher ebenfalls einen Spendenaufruf gestartet hat: – Shutdown? Rise up! – Rettet die Dresdner Klubs – Das Geld soll solidarisch verteilt werden, so dass die Clubs, die am schwersten von der Krise betroffen und existenzgefährdet sind, davon aufgefangen werden.“

Brombeershop: „Kannst du etwas zur Gründungsgeschichte der Chemiefabrik erzählen?“

Andi: „Das Gelände der Chemiefabrik war, wie der Name bereits verrät, tatsächlich eine Chemiefabrik. Hier wurden seit ca. 1897 hauptsächlich Lacke und Farben hergestellt und andere unverdauliche Substanzen produziert. Bis 1993 wurde auch noch gearbeitet, aber zu Zeiten der Wende lief das eher auf Sparflamme, so dass die Firma dicht machen musste. Das Gelände lag dann eine zeitlang brach, bis Fans der Livemusik das Objekt für sich entdeckten. Das Jahr 2001 kann als Beginn der Chemo genannt werden. Anfänglich lief das auch noch sehr unbürokratisch ab (wie ich die Zeit vermisse), später kamen Ämter, Behörden und mit ihnen die Auflagen, sodass der Club zwischenzeitlich vor dem Aus schien. Die Hürde wurden aber letztendlich überwunden und seit 2006 kamen viele nützliche Dinge, wie Toiletten, Bandwohnung, eine stabile Bühne (nachdem Valle von World Domination darin eingebrochen war) dazu.

Brombeershop: „Ihr habt die letzten drei Jahre umgebaut. Was wurde alles geändert?“

Andi: „Als Hintergrundinfo ist dazu zu sagen, dass wir ca. 2014/15 um den Dreh, glaube ich, auf Grund des Nichtraucherschutzgesetzes von einem Gast angezeigt wurden. Wir haben daraufhin mit dem Gewerbeamt nach Lösungen gesucht. Die Lösung für das Problem hätte dann so ausgesehen, dass wir einen zweiten Barraum für Nichtraucher angebaut hätten. Diese Option wäre ausreichend gewesen. Nun war es aber auch so, dass wir über keinen Backstage, sowie Garderobe verfügten und wenn es zum Bauen kommt, sollten diese Dinge gut überlegt sein. Bauantrag, Architekt, Statiker, Vermesser und …und…und müssen so oder so bestellt werden und verursachen Kosten. Da mein Geschäftspartner und ich ursprünglich vom Bau kommen, war die Umsetzung des Baus selber das kleinste Problem. Jedenfalls wurde der Gedanke immer weiter gesponnen, denn ein Techniklager, sowie eine größere Bühne waren ebenfalls keine schlechte Idee. Der größere Konzertraum war daraus eine logische Schlussfolgerung, um zum einen die Baukosten später finanzieren zu können und zum anderen auch attraktiver für Bands zu sein, die gerne bei uns gespielt hätten, es aber auf Grund der geringeren Kapazität nicht machen konnten. Bands und Künstler freuen sich jetzt riesig, wenn sie nach Jahren mal wieder hier spielen und sehen, wie sich alles verändert hat. Das trifft glücklicherweise auch auf die meisten Gäste zu, von denen wir ein tolles Feedback zum Umbau erhalten.“

Brombeershop: „Wie kommst du zu der Musik?“

Andi: „ Ich habe Anfang der 90er meine Liebe für den Punkrock entdeckt und habe begonnen selber Musik zu machen. Das ist natürlich auch ein Grund warum die Chemiefabrik eher punklastig ist. Die ersten Konzerte fanden daher auch ausschließlich in diesem Genre statt. Dennoch sind und waren wir für andere Musikrichtungen offen, so dass mittlerweile eine große Bandbreite an Stilrichtungen am Start ist. Wichtig dabei sind immer die Menschen an deiner Seite. Die Veranstalter und Bands auf der einen, sowie die Gäste auf der anderen. Das muss einfach zur Club Attitüde passen. Ein faires Miteinander ist uns dabei sehr wichtig. Im Großen und Ganzen lässt sich sagen, dass wir hauptsächliche auf Gitarrenmusik spezialisiert sind.“

Brombeershop „Wie sieht die Unternehmensstruktur aus?“

Andi: „Stefan, Mario und ich sind selbständig. Wir haben derzeit sieben Personen auf Teilzeit und Mitarbeiter auf geringfügiger Basis angestellt. Eigentlich sollten jetzt neue Angestellte hinzukommen. Das müssen wir aber nun erst einmal vertagen. Zudem arbeiten noch mehrere Mitarbeiter für uns. Vor allem im Bereich Technik. Der Umgang miteinander ist dabei bei allen Akteuren ausschließlich freundschaftlich.“

Brombeershop: „Bei euch spielen Bands aus der ganzen Welt. Wie sieht es mit den Gästen aus. Woher kommen die?“

Andi: „Hauptsächlich würde ich sagen, liegt unser Einzugsgebiet im Umkreis von 200 km, aber abhängig von den Shows, kommen auch immer wieder Gäste vermehrt aus Bayern, Tschechien und überhaupt des gesamten Bundesgebietes. Wir haben auch Festivals, die ein internationales Publikum anziehen, aber das natürlich im überschaubaren Bereich. Das liegt sicherlich auch daran, dass wir mittlerweile fast 200 Konzerte im Jahr organisieren und auch international bekannt geworden sind.“

Brombeershop: „Welche Bands spielen bei euch?“

Andi: „Wir sind für alle Musikrichtungen offen. Wir erwarten und akzeptieren aber nur tolerante Bands und Fans. Also keine Grauzone oder noch Schlimmeres.“

Brombeershop: Vielen Dank für das Interview und vielen herzlichen Dank auch an alle glücklichen Chemo Unterstützer. Wir hoffen sehr, dass ihr den Betrieb so schnell wie möglich wieder aufnehmen könnt.”

Paul Przybilla

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